Kirchen-Ehrenämter besetzen – Warum es so schwierig ist

Gemeindereferent Bertold Filthaut: Er will mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch kommen, um ihre Vorstellungen von Kirche zu erfahren.

Delbrück/Hövelhof. Gemeindereferent Bertold Filthaut kennt das Problem, dass sich zu wenig und vor allem zu wenig junge Menschen finden, die bereit sind, sich in der katholischen Kirche zu engagieren und „mitzumischen“. Sei es im Ehrenamt oder eben bei der Umfrage über die ehrenamtlich Tätigen. „Das Problem beginnt schon viel früher“, sagt er. Etwa bei der Besetzung der zur Verfügung stehenden Sitze im Pfarrgemeinderat. Nicht nur in Hövelhof gibt es zu wenig Personen, die sich für diese Aufgabe bereitfinden. Auch in Hövelriege ist das so. Mit der Folge, dass der Pfarrgemeinderat nicht im Proporz besetzt ist. Hövelhof etwa stünden aufgrund der Katholikenzahl sechs Sitze im Gesamtpfarrgemeinderat zu, nur zwei konnten besetzt werden. Hövelriege könnte zwei Sitze nutzen, kann aber keinen einzigen besetzen.

Mit dem angestoßenen Prozess sollen die Gemeindemitglieder des neu geschaffenen Pastoralen Raumes Delbrück-Hövelhof ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen und über fest definierte Arbeitsgruppen, die Handlungsfeldgruppen, herausarbeiten, was ihre Kirche künftig leisten soll. Wo sie sich stärker einbringen kann, was sie ganz neu bedenken muss und auch wo nicht ausreichend genutzte Angebote zugunsten neuer gestrichen werden sollen. Das Ziel ist es, eine Pastoralvereinbarung zu erarbeiten, mit der sich möglichst viele der hier lebenden Christen identifizieren können. „Das ist eine besonders große Herausforderung, wenn nur zehn Prozent der Katholiken gelebte Kirche für die anderen ,stummen‘ 90 Prozent mitorganisieren sollen“, resümiert Filthaut. „Dass hier nicht alle abgeholt oder erreicht werden, ist absehbar, aber kaum zu verhindern.“ Viele neue, auch ungewohnte Wege zu beschreiten, um mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen, ist eine der Möglichkeiten, die die katholische Kirche nun hat. Filthauts Credo: „Wir wollen die Menschen ermutigen und sie zu einem lebendigen Ort des Glaubens einladen. Überzeugte Christen genauso wie diejenigen, die nur in bestimmten Lebensphasen Halt, Trost oder Orientierung in ihrem Glauben suchen.“

Text + Foto: Wortart, Almut Thöring

Katholische Ehrenämtler: 89.000 Stunden Einsatz im Jahr


Pastoralverbund Delbrück-Hövelhof will Würdigungskultur entwickeln

Rund 3.100 Menschen engagieren sich im pastoralen Raum Pastoralverbund Delbrück-Hövelhof ehrenamtlich in den katholischen Kirchengemeinden. In Wirklichkeit dürfte die Zahl aber wesentlich höher liegen, geschätzt bei 4.500. Das ergab eine Abfrage in den zwölf zum Pastoralverbund gehörenden Kirchengemeinden.

Erhoben wurde dieses Ergebnis im Auftrag einer so genannten Handlungsfeldgruppe. Insgesamt vier davon gibt es derzeit. Ihre Aufgabe: Die inhaltliche wie strukturelle Ausrichtung der katholischen Kirche in den Gemeinden zu hinterfragen und neu zu organisieren, um sie besser an den Bedürfnissen der Christen in der Gegenwart ausrichten zu können. Die Handlungsfeldgruppe „Ehrenamt“ hat viele spannende Ergebnisse gesammelt, die in ihrem Resultat auch Menschen betreffen, die sich nicht in der Kirche engagieren oder zu ihr gehören. Denn grundsätzlich geht es der katholischen Kirche wie jedem Sport- oder Musikverein: Immer weniger Menschen sind bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren.

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