Von Müllhelden und Umweltdetektiven – Auf dem Weg zur fairen Kita

Hövelhof-Riege. „Sechs Wochen lang werden die Kinder und Eltern der Kita Herz-Jesu in Riege jetzt viel erleben. Und die Welt danach mit geschultem Blick betrachten. Vielleicht sogar mit wissendem“, hofft Carina Brinkhus, Leiterin der Kita Herz-Jesu. In einem dreiwöchigen Projekt werden sich alle dort drei großen Themen widmen. Dem Wasser, dem Müll und der Ernährung. Hintergrund ist die Anstrengung des Kita-Teams, sich als faire Kita zertifizieren zu lassen. „Denn wir wollen nicht nur im sozialen Miteinander fair und gerecht sein, sondern auch zur Umwelt. Hier gilt es, ökonomisch wie ökologisch nachhaltig zu handeln.“

Mit dem Trägerwechsel im August 2018 erfuhren die Erzieherinnen bei einer Schulung von dem Faire-Kita-Projekt der Katholischen Kindertageseinrichtungen gem. GmbH in Paderborn. Weil sie sicher waren, ganz viele Zugangsvoraussetzungen schon seit langem zu erfüllen, beschlossen sie spontan: Da steckt viel Potential drinnen, da ist noch mehr möglich.

Seit vielen Jahren pflanzen und ernten die Kinder der Kita Herz-Jesu beispielsweise Kartoffeln, spielen im benachbarten Wald, vermeiden Plastikmüll und erkunden den eigenen Ort oder kaufen im regionalen kleinen Markt ein. Mit einem im vergangenen Jahr angepflanzten und gesegneten Obstgarten haben sie weitere fruchttragende Wurzeln in ihrem Heimatort geschlagen.

Bei der „Väteraktion“ haben die Kinder am Samstag Stoffbeutel zum Einkaufen gestalten, die sie zum Einkaufen mitnehmen. „Mit den größeren Kindern werden wir erkunden, woher das jetzt zu kaufende Obst auf dem Hövelhofer Wochenmarkt kommt. Marktbeschicker Kurt Pohlmeyer hat den Kindern seine Unterstützung zugesagt. So wie viele weitere Kooperationspartner“, freut sich Carina Brinkhus. „Die kleineren Mittelkinder werden mit ihren Taschen hier im Dorf einkaufen. Wir schauen dann genau hin: Was wird verpackt oder unverpackt angeboten. Auf einer Weltkarte werden wir in der Kita entdecken, wie weit der Apfel oder die Banane zu uns gereist ist. “ All dies zählt zum Thema Ernährung. Aber natürlich gibt es überall Schnittstellen zu den Themen Wasser und Müll, den beiden anderen Projektbereichen.

„Für die ganz Kleinen unter drei Jahren werden wir eine Wasserlandschaft aufbauen“, freut sich Brinkhus. „Wie schmeckt, riecht und fühlt sich Wasser an, ist es sauber oder schmutzig, warm oder kalt? Was geht eigentlich unter und was schwimmt? Größere wollen wissen, wieviel Wasser wir beim Händewaschen verbrauchen. Das werden wir messen. Und wir klären auf, wo unser Wasser eigentlich herkommt. Die Fragen, die wir uns stellen, stammen aus der Perspektive der Kinder“, sagt Brinkhus, „denn die Kinder haben ihre Fragen über unser Kinderparlament in allen drei Kita-Gruppen zuvor eingesammelt, sodass wir genau die gefragten Bereiche herausfiltern und ausarbeiten konnten.“

Deshalb wird auch ein Müllfahrzeug zu Besuch in die Kita kommen und alle hineinschauen lassen. Oder die Kinder werden verschiedene Müllfraktionen auf dem Kitagelände verbuddeln und später nachschauen, was aus der Konservendose, der Plastiktüte oder dem Teebeutel geworden ist. Auch die Besichtigung des Hövelhofer Klärwerks und die Furlmühle stehen auf dem Projekt-Programm. Brinkhus sagt: „Wir sind keine Klimaaktivisten, sondern möchten im christlichen Sinne die Schöpfung bewahren, mit unseren Ressourcen schonend umgehen. Denn wir können den Kindern keinen Scherbenhaufen hinterlassen.“ Damit das gelingen kann, sind die Familien, wenn sie es möchten, mit eingebunden. Das gilt natürlich auch für den abschließend geplanten Wortgottesdienst an den Emsquellen. Da geht es dann nicht ums Lernen, Fragen und Ausprobieren, sondern ums Wohlfühlen und Besinnen, wenn zu Abschluss heimisches, geweihtes Wasser mit nach Hause genommen werden darf.

zum Foto oben: Väteraktion (Kita Herz-Jesu):
Auftakt für das Projekt „faire Kita“: Lorena aus der Kita Herz-Jesu gestaltet dort, zusammen mit Papa Jürgen Füchtemeier, ihren eigenen Einkaufsbeutel. Mit dem wird sie nicht nur Unverpacktes in Hövelhof und Riege einkaufen gehen, sondern in der Kita auf einer Weltkarte auch erkunden, woher diese Waren stammen.