Ins Gespräch kommen und glaubhaft werden

Hövelhof. Gut 300 Menschen folgten der Einladung des Pastoralverbunds Delbrück-Hövelhof zum Neujahrsempfang. Die Gläubigen füllten zwei Drittel der St.-Johannes-Nepomuk-Kirche und verfolgten einen durchaus kritisch-anregenden wie inspirierenden Abend.

Mit vielen neuen Deutungsansätzen, die sie „mitten aus dem Leben“ zogen und damit für jeden Besucher nachvollziehbar machten, bezogen sich die beiden Wortgottesfeierleiterinnen Bernadette Bröckling und Rita Rodehuth-Austermeier auf das Motiv der Einladungskarte, einen Hirten mit seiner Herde Schafe. Der gute Hirte und vor allem seine Herde standen im Mittelpunkt des gesamten Abends.

Eine Herde, die sinnbildlich für die Gläubigen steht, sieht man landläufig dicht beieinanderstehen oder als Pulk ihrem Hirten folgend. Dass Katholiken so nah an ihrem Hirten orientiert sind, ist heute nicht mehr selbstverständlich: Jede Menge Individuen beschreiten ausschließlich ihren eigenen Weg, viele bilden eine träge, unbeteiligte Masse, andere hingegen sind neugierige, forsche Christen. Das wusste auch Pfarrer Bernd Haase zu berichten, der die Anwesenden um ihre Unterstützung bat, Kirche wie Glauben weiter zu entwickeln. „Auch wenn wir vom Bistum Paderborn aus nicht erreichen werden, dass Frauen alle kirchlichen Ämter ausüben dürfen oder das Pflichtzölibat aufgehoben wird, die Entwicklung einer Pastoralvereinbarung in den Pastoralverbünden wie auch der Synodale Weg bieten viele Möglichkeiten, Althergebrachtes zu hinterfragen und Neuerungen anzustoßen“, so Haase. Das sei aus seiner Sicht unbedingt notwendig, „um wieder glaubwürdig zu sein“.

Eine Ausführung die Anja Geuecke aus Attendorn als Hettwich von Himmelsberg nur unterstreichen konnte. Die Kirchenkabarettisten sprach, gemessen am Beifall, vielen Gläubigen aus der Seele. Mit Charme wie Chuzpe griff Hettwich beherzt die Themen auf, die Christen unter den Nägeln brennen. Dass im Zuge dessen alle Anwesenden ihr Fett abbekamen, war selbstverständlich. Geweihte wie Gläubige nahmen es mit Humor und waren sichtlich erfreut, dass kontrovers diskutierte Inhalte thematisiert wurden. Denn im Entwicklungs- und Erneuerungsprozess kann einer Gemeinde nichts Besseres passieren, als dass ihre Mitglieder miteinander reden. Es muss auch Hettwich gut gefallen haben, dass sich beim abschließenden Sektempfang im Pfarrheim immer wieder neu zusammengesetzte Grüppchen zum Gespräch gesellten.

Zum Bild oben: Auffallend anders und doch ganz menschlich: Anja Geuecke nahm die Zuhörer vom ersten Atemzug an mit auf den Altarraum und zog sie in ihren nass-forschen christlichen Bann.

(Text und Foto: Wortart, Almut Thöring)