Erklärender Text zur neuen Gottesdienstordnung im Pastoralverbund Delbrück-Hövelhof ab dem 1. Januar 2020

Liebe Schwestern und Brüder in den Gemeinden des Pastoralverbundes Delbrück-Hövelhof!
Seit Beginn des Jahres 2019 hat sich der Gesamtpfarrgemeinderat gemeinsam mit dem Pastoralteam schwerpunktmäßig mit dem Themenbereich Feier der Eucharistie beschäftigt. Es ging darum, Kriterien für eine neue Gottesdienstordnung zu entwickeln. Dazu haben wir uns gemeinsam auf den Weg gemacht, um uns zunächst einmal selbst die Bedeutung der Eucharistiefeier bewusst zu machen. Geholfen haben uns auf diesem Weg Impulse aus der Heiligen Schrift und der Tradition der Kirche, die rechtlichen Rahmenbedingungen und unsere eigenen Erfahrungen mit der Eucharistie. Den Abschluss bildete ein Einkehrtag mit eucharistischer Anbetung.

Auf diesem Hintergrund ist dann nach einem einstimmigen Votum des Gesamtpfarrgemeinderates und entschieden durch den Pfarrer und das Pastoralteam eine neue Gottesdienstordnung entstanden, die ab dem 1. Januar 2020 gelten wird und die Sie in allen Details auf diesem Informationsblatt nachlesen können. Die neue Gottesdienstordnung gilt zunächst für ein Jahr!

Wir möchten heute hier in Namen von Gesamtpfarrgemeinderat und Pastoralteam einige Hintergründe erklären und Verständnishilfen geben:
Die neue Gottesdienstordnung ist ein deutlicher Einschnitt, der nicht primär aufgrund einer Personalreduzierung geschieht. Es geht um Freiraum für eine inhaltliche Neuausrichtung der Pastoral mit dem Perspektivwechsel hin zu Aufbrüchen, Evangelisierung, Begleitung von Suchenden im Glauben und Förderung von Jüngerschaft. Es geht um eine Zusammenführung der Gläubigen und eine neue Wertschätzung der Eucharistie.

Trotzdem müssen auch die Prognosen im Blick auf die Entwicklung der Hauptberuflichen und der rapide sinkende Kirchenbesuch benannt werden. Innerhalb der nächsten 15 Jahre werden uns nur noch ein Drittel der jetzigen hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Das heißt konkret: Zwei Priester und 1,5 Gemeindereferentinnen-Stellen.

Davor die Augen zu verschließen wäre fatal, denn jetzt ist noch die Zeit und haben wir noch die ehren- und hauptamtlichen Kapazitäten, um Veränderungen aktiv zu gestalten. Es ist nicht mehr zielführend, den größten Teil der Arbeitszeit der Hauptamtlichen in den Erhalt des Status quo zu investieren!

Einige Wahrnehmungen zum Ist-Stand:
Wir leben seit 2017 im Blick auf die Anzahl der Gottesdienste „über unseren Verhältnissen“. Nach dem ruhestandsbedingten Ausscheiden von Pfarrer Göke und der Versetzung von Pastor Jardzejewski gab es – auch aufgrund des Einsatzes vieler pensionierter Mitbrüder – eine sehr maßvolle Einschränkung der Gottesdienstordnung. Da im Laufe der Jahre dieser Einsatz krankheits- und altersbedingt stark zurückgegangen ist, kommt es seit geraumer Zeit häufig dazu, dass Priester entgegen den Vorgaben des kirchlichen Rechtes werktags durch Beerdigungsmessen, Jubelhochzeiten und Schulmessen mehr als einmal die Hl. Messe feiern (erlaubt ist eine Hl. Messe) und sonntags bis zu fünfmal (erlaubt sind drei Hl. Messen). Leider ist das nicht mehr die Ausnahme, sondern wird zur Regel! Dadurch entsteht eine Situation, in der die Priester unter hohem Druck und in Hetze Gottesdienste zu feiern haben, um dann am nächsten Ort ebenfalls wieder ganz präsent zu sein. Dabei stehen unsere Priester in der Gefahr von Überforderung, Erschöpfung und Freudlosigkeit im Blick auf die Eucharistiefeier.

Dazu kommt die rapide Abnahme des Gottesdienstbesuches. Wir liegen zurzeit auf den Pastoralverbund gesehen bei durchschnittlich 10 % Gottesdienstbesuch, in manchen Kirchen deutlich darunter; mancherorts findet man lethargische und freudlose Gottesdienstgemeinden und es häufen sich Beschwerden über die mangelnde Qualität in Gottesdiensten bezogen auf Sprache und Musik.

Und es zeigt sich deutlich, dass der Pastorale Prozess, den der Herr Erzbischof uns aufgetragen hat, Zeit und Kraft bindet und mehr Freiraum braucht, was in der bisherigen Aufgabenverteilung im Pastoralteam nicht berücksichtigt wurde. Es wächst die Einsicht, dass es den bewussten Blick auf den Pastoralen Raum, auf das große Ganze und seine Entwicklung braucht und wir uns zu sehr im Kleinteiligen verlieren.

Was aber wünschen wir uns als Gesamtpfarrgemeinderat und Pastoralteam im Blick auf eine neue Gottesdienstordnung? Was ist unser Ideal? – Dazu einige Anmerkungen:

  • Der Gottesdienst ist ein Raum freudiger Gottesbegegnung, persönlicher Stärkung im Glauben und der Begegnung untereinander; er ist wieder der Höhepunkt des Sonntags.
  • Wir möchten weg vom Gefühl des Kleine-Herde-Seins oder Letzter-Mohikaner-Gefühls und hin zu einer entsprechenden Größe der Gottesdienstgemeinde und dem Gefühl der vollen Kirche. Es gilt, Menschen zusammenzuführen zu einer bestärkenden Gemeinschaft!
  • Die Zelebranten sollen wieder die Möglichkeit bekommen, im Zusammenhang mit dem Gottesdienst in Beziehung zu den Menschen treten zu können und nicht sofort zum nächsten Gottesdienst weiter zu hetzen.
  • Eucharistie soll wieder als echte Feier der Gemeinde erfahren werden, mit geistlicher Qualität, im guten Sinne des Wortes „attraktiv“: man geht gern hin und nimmt etwas mit. Es entsteht das Gefühl „Es tut mir gut, die Eucharistiefeier ist mir wirklich Kraftquelle fürs Leben!“.
  • Unsere Priester sollen selbst geistliche Menschen bleiben können; sie sind keine – entschuldigen Sie die Wortwahl – „Zelebrations- oder Predigtmaschinen“.
  • Die neue Gottesdienstordnung eröffnet Raum für Sonderwünsche und Ausnahmen – zum Beispiel bei besonderen Feierlichkeiten in den einzelnen Gemeinden.
  • Nach Möglichkeit wird es an den hohen Feiertagen mehr Gottesdienste über den gesetzten Rahmen hinausgeben können. Wir haben eben darüber gesprochen, dass es auch um die Schaffung eines Freiraumes gehen soll – aber Freiraum wofür?

Wir erleben schmerzhaft die Veränderungen und Abbrüche in unseren Gemeinden, dass pastorale Konzepte, die unsere Kirche gestern noch getragen haben, uns nicht mehr in die Zukunft führen werden. Aber es gibt bei genauem Hinsehen auch ermutigenden und positive Aufbrüche. Und genau dafür braucht es den Freiraum! Freiraum für:

  • Eine inhaltliche Neuausrichtung der Pastoral im Sinne der Evangelisierung und des missionarisch Kirche-Seins.
  • Für Experimente – es gilt, Neues zu denken, zu planen, zu tun, so wie es beim alttestamentlichen Propheten Hosea heißt: „Nehmt Neuland unter den Pflug! Es ist Zeit, den Herrn zu suchen; dann wird er kommen und euch mit Heil überschütten.“ (Hos 10,12)
  • Für die Begleitung kleinerer Gruppen von Suchenden und Fragenden (Anfänger im Glauben), für Glaubenskurse (wie den laufenden Alpha-Kurs), Exerzitien, Aufbrüche, Orte lebendiger Glaubenserfahrung, die es aufzusuchen gilt: Medjugorje, Salzburg, Augsburg…
  • Freiraum, um schlicht und einfach mal woanders schauen zu können, wie dort Aufbruch und Veränderung geschieht und eine Zeit lang dort mitzuleben und Erfahrungen zu machen.
  • Für eine Spezialisierung und Charismenorientierung bei den Ehren- und Hauptamtlichen ohne Bewertung; wir müssen die Grunddienste gut tun und zugleich neue Wege gehen; aber es muss nicht jeder alles können und tun!
  • Für Angebote für und das Zugehen auf die 80 % Getauften ohne Bezug, zum Beispiel in der Form „zweckfreier“ Hausbesuche, um wieder mehr in Kontakt und Beziehung zu den Menschen vor Ort zu kommen, um einfach Hörender für die Sorgen und Ängste der Menschen zu sein oder das Leben miteinander zu teilen.
  • Freiraum für andere Formen der Präsenz der Hauptamtlichen im Lebensraum der Menschen und die Möglichkeit, Menschen zum Zeugnis, zur Jüngerschaft, zum Christsein im Alltag befähigen zu können.
  • Dabei gilt es gerade auch für die Priester, selbst geistliche Menschen bleiben zu können, andere Formen von Liturgie ausprobieren und etablieren zu können und einen qualitativ guten Dienst bieten zu können; dazu ist eine wichtige Voraussetzung, genügend Zeit für die Vorbereitung zu haben!
  • Insgesamt geht es darum, den Blick auf Wachstum und Neuaufbrüche zu richten und Menschen wieder neu zur Eucharistie hinführen.

Liebe Schwestern und Brüder!
Wir hoffen, Ihnen damit wichtige Informationen und Verständnishilfen für die neue Gottesdienstordnung gegeben zu haben. Uns ist bewusst, dass es neben Verständnis auch viel Unverständnis geben wird, weil Gewohntes und Liebgewordenes zu Ende geht.

Wir hoffen – im wahrsten Sinne des Wortes – auf ihre Mit-Geh-Bereitschaft, dass Sie sich mit uns auf den Weg machen in die Zukunft unseres Pastoralverbundes, in die Zukunft des Christseins in unserer Heimat und dass Sie sich auch auf den Weg machen in andere Kirchen, weil Ihnen die Feier der Eucharistie wichtig ist und Ihnen Kraft für das Leben gibt, weil Ihnen die Gemeinschaft der Glaubenden wichtig ist!

Gehen wir mutig nach vorn, hören wir hin auf das, was Gott von uns will und bleiben wir verbunden im Gebet und in der Feier der Eucharistie.

gez. Hildegard Lipsewers
Vorsitzende des Gesamtpfarrgemeinderates

gez. Pfarrer Bernd Haase Leiter des Pastoralverbundes

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