„Die kleinen Momente machen es aus“

Die tropischen Temperaturen am gestrigen Sonntag waren für Klaus Winzig wahrscheinlich noch etwas vertrauter als für die meisten Besucher des jüngsten Gottesdienstes aus der Reihe „WoAndersGlauben“ in Pastor’s Garten hinter dem Fürstbischöflichen Jagdschloss in Hövelhof. Vor gut zwei Monaten hatte sich der 54-jährige Hövelhofer mit dem Fahrrad auf eine Pilgerreise nach Santiago de Compostela in Spanien aufgemacht, von der er im Rahmen des Gottesdienstes unter dem Motto „Ich bin dann mal bei mir“ ganz persönliche Eindrücke schilderte.

Gespannt verfolgten die wieder zahlreichen Besucher dieser ganz anderen Wort-Gottes-Feier den Ausführungen des frischgebackenen Pilgers. Eine solche Reise ist insgesamt schon ein großes Vorhaben. Über 2700 km Wegstrecke mit etlichen herausfordernden Steigungen und insgesamt 176 Stunden im Sattel, das alles bewältigte Klaus Winzig innerhalb von drei Wochen auf der sog. Nordroute des Jakobsweges.

Auf die Frage, wie er sich denn gefühlt habe, als er am Ziel seiner Reise vor der großen Kathedrale im spanischen Galicien stand, entgegnete der IT-Manager nur „Schade, dass ich schon da bin“. Einmal mehr bewahrheitet sich also der vielzitierte Satz „Der Weg ist das Ziel“. Überraschend schnell konnte Klaus Winzig auf diesem Weg die in unserer betriebsamen Welt üblichen Denkmuster ablegen und er hat sich fortan nicht mehr damit beschäftigt, wann er wo ankommen „muss“. Eine bewusste Erfahrung von Entschleunigung also, die den Blick für die wundervollen Dinge am Wegesrand öffnet. „Plötzlich habe ich Kleinigkeiten wahrgenommen, an denen ich normalerweise wohl achtlos vorbeigefahren wäre.“ Dazu kommen die vielen Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen unterschiedlichster Herkunft, deren Geschichten, aber auch die kleinen Pannen. Alles das zusammen macht die besondere Atmosphäre auf dem Jakobsweg aus und es wirkt bis heute nach, so Winzig. Es sind nicht die großen Geschichten, „die kleinen Momente machen es aus“.

Das abschließende Gebet des Gottesdienstes bringt laut Klaus Winzig die verschiedenen Aspekte und Erfahrungen dieser Reise besonders gut zum Ausdruck:

Brich auf, gehe, vertraue, wage es, jeden Tag neu dich zu verändern !
Brich auf aus sorgenvollen Gedanken, aus erstarrten Gewohnheiten,
aus lähmenden Vorstellungen, aus einengenden Forderungen !
Sei unterwegs mit Leib und Seele, mit allen Sinnen,
mit vertrauten und fremden, mit ganzem Herzen !
Sei aufmerksam für die Schönheit der Natur, für neue Wege,
für unerwartete Begegnungen, für geschenkte Lebensmöglichkeiten !
Sammle auf dem Weg zum Ziel dich selbst ein !
Brich auf, jeden Tag neu, und du wirst verwandelt ankommen. AMEN.

Nach dem Gottesdienst nutzen die zahlreichen Gäste wieder die Möglichkeit in angenehmer Atmosphäre miteinander ins Gespräch zu kommen, untermalt von der Musik der Worship Cafe Band aus Henrichenburg, die auch schon die musikalische Gestaltung der Wort-Gottes-Feier übernommen hatte. Passend zum Ziel des Jakobsweges in Spanien hatte das Organisationsteam wunderbar leckere Tapas-Teller vorbereitet. Angesichts des schwül-heißen Wetters standen natürlich die gekühlten Getränke besonders hoch im Kurs.

Text & Fotos: Reinhard Sandbothe