Volles Haus im Erzählzelt – Geschichten kindgerecht vorgetragen

Wie sehr sich die Grundschülerin Wanda beim Schwimmunterricht fürchtet, konnten sich die Kinder im Erzählzelt gut vorstellen. Als Geschichtenerzählerin Manuela Bausen ihnen verriet, wie Wanda ihre Angst überwandt, war die Erleichterung in den Gesichtern der vielen kleinen Zuhörer deutlich abzulesen. „Wanda stellte sich vor, sie sei ein Wal … und sie kraulte durch das Wasser. Sie stellte sich vor, sie eine Rakete und sie schoss durchs Wasser.“ Mimik und Körpersprache der Erzählerin, die frei vortrug, unterstrichen, wie die kleine, dicke Wanda sich das alles vorstellte und in die Wirklichkeit umsetzte. So wurde die Hauptperson der Geschichte, ein furchtsames, gehänseltes Mädchen, schnell zur Sympathieträgerin.

Gut 60 Kinder kamen auf Einladung des Familienbundes der Katholiken und des Katholischen Familienzentrums Hövelhof am Samstag mit ihren Eltern und Großeltern zum Erzählzelt vor dem Pfarrhaus. Die Erzieherinnen Manuela Bausen und Ursula Schier, die sich beide in den vergangenen Monaten zur Gechichtenerzählerin fortgebildet hatten, legten am Samstag erfolgreich ihre öffentliche Prüfung ab. Beide werden in ihren Einrichtungen, den katholischen Kitas St. Franziskus und St. Johannes, auch die Kolleginnen in dieser Technik ausbilden, damit möglichst viele Kinder mit dieser Kommunikationsform in Berührung kommen.

„Es geht beim Geschichtenerzählen darum, den Kindern eine Vielzahl an Kompetenzen zu vermitteln, die heute im Alltag oft zu kurz kommen: Erzählen dürfen, sich ausdrücken aber auch zuhören können, Zeit füreinander zu haben, träumen dürfen oder die eigene Phantasie spielen lassen“, sagt Ulla Schier. Unabhängig vom Alter der Kinder, das war auch im Erzählzelt wahrnehmbar, ist eines besonders beeindruckend: Wie gut sich die Kinder beim Zuhören konzentrieren können. Mucksmäuschenstille Atmosphäre, gebannte Augen und auf die nächste spaßige Szene wartende Lachmuskeln zeichneten die Situationen aus, die die beiden Frauen und ihr Ausbilder, Dozent und Sprecher Marco Holmer aus Bremen, schufen. Da amüsierten sich die Kinder über einen Wolf, der ein Huhn und dessen Küken mit Gebäck verwöhnte, statt es zu verspeisen, da hofften die Kinder mit dem kleinen Jungen, der sich zum Geburtstag nichts sehnlicher wünschte als zu fliegen, der Wunsch möge endlich in Erfüllung gehen.

Michael Hullermann vom Familienbund der Katholiken in Paderborn, der die Fortbildungen und die damit verbundene Zertifizierung der Einrichtungen finanziert hatte, war sichtlich angetan, wie gut die Kinder dem Geschehen folgten. „Dann wissen wir, dass die Kinder in den katholischen Einrichtungen Hövelhofs mit viel Freude von dieser besonderen Qualifikation profitieren werden.“

Text & Fotos: A.Töhring, WORTART

zum Foto oben:
Als sich der Wolf (hier in Person von Erzählerin Ursula Schier) zum Huhn schlich, um ihm Eierkuchen zum bringen, wussten die Kinder schon, dass er es wieder nicht fressen würde.

Sie nahmen die Kinder in ihren Erzählungen mit auf spannende Gedankereisen (von links): Erzieherin Manuela Bausen (Kita St. Franziskus), Ausbilder Marco Holmer und Erzieherin Ursula Schier (Kita St. Johannes). Michael Hullermann (2.v.r.), Geschäftsführer des Familienbund der Katholiken im Erzbistum Paderborn, hatte die Fortbildung und damit die Zertifizierung des Katholischen Familienzentrums in Hövelhof finanziell ermöglicht.

Sie nahmen die Kinder in ihren Erzählungen mit auf spannende Gedankereisen (von links): Erzieherin Manuela Bausen (Kita St. Franziskus), Ausbilder Marco Holmer und Erzieherin Ursula Schier (Kita St. Johannes). Michael Hullermann (2.v.r.), Geschäftsführer des Familienbund der Katholiken im Erzbistum Paderborn, hatte die Fortbildung und damit die Zertifizierung des Katholischen Familienzentrums in Hövelhof finanziell ermöglicht.