Ein großer, wandelbarer Raum – Auf Entdeckungsreise in der Pfarrkirche Hövelhof

In warmes, bis zur Decke wallendes rotes Licht getaucht, empfing das Kirchenschiff der Hövelhofer Pfarrkirche die Besucher der Kirchenführung, zu der Gemeindereferent Bertold Filthaut mit Familienzentrumsleiterin Ingrid Winzig interessierte Hövelhofer eingeladen hatte. Der optische Auftakt für einen zweistündigen Ausflug nicht nur für den Geist, sondern auch für die Seele und die Sinne, die nicht zuletzt durch die musikalische Begleitung mit Gitarre durch Marcel Stein und Gesang von Theresa Henkenmeier berührt wurden.

Gleich zu Beginn erläuterte Filthaut, was es mit dem Namenspatron St. Johannes Nepomuk auf sich hat und dass die Hövelhofer, ihrer Zeit voraus, die Kirche bereits 1706 nach ihm benannten, als dieser noch gar nicht heilig gesprochen war. Als Anerkennung dafür, dass er zugunsten der Wahrung des Beichtgeheimnisses seinen Tod durch Ertänken in der Moldau in Kauf nahm.

Um die wechselvolle (Bau-)Geschichte der Pfarrkirche, die zuvor an anderer Stelle den Ortsmittelpunkt darstellte, nämlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite, auf der heute ein Apotheken- und Ärztehaus steht, wussten einige Besucher bereits. Dass sie aber auch an ihrem jetzigen Standort bislang insgesamt drei gravierende Veränderungen erfahren hat, war vielen neu.

Ebenso, dass diese Veränderungen heute noch sichtbar sind. So markieren eine eingelassene Bodenplatte unter der heutigen Orgelbühne den alten Standort des Altars und die darum bogenförmig verlegten Klinker den Verlauf der alten Gebäudelinie an der Apsis. Der Glockenturm, noch in seiner Urform der zweiten Pfarrkirche erhalten, aber mit neuen Zwiebel-Kirchtürmen versehen, beherbergte früher den Haupteingang, den man in den 70er Jahren, mit dem Bau des Pfarrheims, auf die gegenüberliegende Seite verlegte. In dieser Zeit erfolgte auch der Anbau zur Schloßstraße hin, weil man für die sonntäglich über 500 Gottesdienstbesucher damals zusätzliche Sitzplätze schaffen musste. Bis zu elf Gottesdienste mussten sonn- und feiertags in den drei Hövelhofer Kirchen (Pfarrkirche Hövelhof, Herz-Jesu Hövelriege und Herz-Jesu Espeln) zelebriert werden, um alle Gläubigen daran teilhaben lassen zu können.

Gerne nutzten die Besucher der Kirchenführung dann die Möglichkeit, im Gedenken an einen Herzenswunsch oder begleitet mit einem Gebet, Weihrauch auf ein Holzkohlegefäß zu geben: Denn der Weihrauch symbolisiert Gebete, die von der Erde zu Gott aufsteigen.

Ein Blick in die Sakristei, in der die Gäste sich ansehen durften, wie die Gewänder nach Farben sortiert für bestimmte Feiertage und Anlässe vorgesehen sind, lohnte besonders. Denn dort, war zu erfahren, wird unter anderem auch der alte Tabernakel der Pfarrkirche verwahrt. Neben der Baugeschichte gab Bertold Filthaut viele Informationen über die Symbolik einzelner Objekte in der Kirche, wie etwa die zwölf Apostelsäulen mit den Apostelsteinen, die, wie die von Jesus gesandten Apostel einst selbst, immer zu zweit nebeneinander stehen. In der Kirche an allen wichtigen Stationen platzierte Texte lockten zum bewussten Verweilen oder Innehalten. Ein Gang auf die alte Orgelbühne bescherte den Besuchern einen großartigen Blick in die illuminierte Kirche bis zum Altar. Einige Treppenabsätze höher durfte im Glockenturm das Gewandlager der Sternsinger bestaunt werden, bevor die Möglichkeit bestand, mit Dachdeckermeister Peter Löhr einen Blick auf den sanierten Dachboden der Pfarrkirche zu werfen. Die Treppenstufen im Glockenturm ging es dann im sicheren Schein der Handy-Taschenlampen wieder zurück ins warme Licht im Kirchenschiff, wo sich die Anwesenden unter dem Eindruck der „erwanderten“ Kirchenraums zum Schluss für ein Vater-unser rund um den Altar versammelten.

Text und Fotos: Thöring, wortart