Der Gedanke an das Reich Gottes

… beschäftigt und bewegt den Delbrücker Martin Kolek schon seit langem. In einer besonders gestalteten Vorabendmesse legte er am vergangenen Samstag ein sehr beeindruckendes Glaubenszeugnis ab, in dem er den versammelten Gläubigen in der Hövelhofer Pfarrkirche vor Augen führte, was dieses Reich Gottes konkret mit seinem Engagement für die Seenotrettung flüchtender Menschen im Mittelmeer zu tun hat. Zuvor waren am Nachmittag zahlreiche Interessierte der Einladung ins Pfarrheim gefolgt, wo Martin Kolek mit Foto- und Videomaterial von seinem Hilfseinsatz auf der Seawatch 2 vor der Küste Lybiens berichtete.

Es gebe einen besonderen Kodex unter Seefahrern, so Kolek. Wenn jemand in Seenot gerät, gibt es nur das Eine: hinfahren und helfen, ohne zu zögern, ohne Umweg, so schnell wie möglich. Menschen in Seenot dürfen darauf vertrauen: Rettung kommt! Auf offener See gibt es in dieser Hinsicht keine Grenzen und Hierarchien oder sonstige Eitelkeiten. Dann sind wir alle Brüder und Schwestern, egal welcher Herkunft, welcher Hautfarbe, welchen Standes. Wenn uns dies bewußt wird, können wir erahnen, was mit dem Reich Gottes gemeint ist. „Dann ist uns das klar und auch im Gottesdienst am Wochenende stimmen wir dem zu, aber am Montag sprechen wir dann doch wieder von „Frau Doktor“, „Herr Direktor“, „Frau Bundeskanzlerin“, so Martin Kolek nachdenklich.

Bei seinem Engagement für flüchtende Menschen, die im Mittelmeer in Seenot geraten, hat sich der Delbrücker für eines entschieden: „Politische Diskussionen über die derzeitige Situation nehme ich nur zur Kenntnis, aber ich beteilige mich nicht daran. Ich konzentriere mich voll und ganz darauf den Menschen in ihrer Not zu helfen. Alles andere kostet zu viel Energie, die diesen Menschen dann fehlt.“

Am Nachmittag hatte der begeisterte Segler Martin Kolek in einem sehr anschaulichen Vortrag von seinem Einsatz im Mittelmeer berichtet. Gut anderthalb Jahre hatte die Vorbereitung gedauert, ehe er im Sommer 2016 in Malta an Bord der Seawatch 2 ging. Ein Schiff, das ausschließlich aus Spendengeldern von Privatpersonen und Unternehmen finanziert wird, wie übrigens die gesamte Arbeit aller dort tätigen Hilfsorganisationen ohne staatliche Hilfen auskommen müssen.

Bei diesem Einsatz war eigentlich nur vorgesehen, die Menschen vorsorglich mit Rettungswesten zu versorgen. Die Seawatch ist von ihrer Größe her auch nicht dafür ausgelegt, Menschen an Bord zu nehmen. Doch es kam ganz anders. Die Not in diesem Seegebiet ist so groß, dass auch die Crew der Seawatch vor schwierigste Entscheidungen gestellt wurde. Auf dem Weg zu einem sinkenden Holzschiff passierten die Retter ein anderes auf Hilfe angewiesenes Schlauchboot. Was tun in einer solchen Situation? Es gilt vor allem keine Zeit zu verlieren.

Mit einem Schnellboot, das zur Ausrüstung der Seawatch gehört, versorgte ein Teil der Mannschaft die Menschen im Schlauchboot, während die Seawatch selbst weiter Kurs auf das sinkende Holzboot nahm und das Team mit dem Schnellboot später wieder dazu kam. Allerdings mussten die Retter erkennen, dass für einige Menschen, die auf dem Holzboot unterwegs waren, trotz allen Einsatzes die Hilfe zu spät kam.

Bedrückende Videos und Fotos über diesen Einsatz ließen die Zuhörer im Hövelhofer Pfarrheim nur ansatzweise erahnen, wie dramatisch und belastend ein solche Situation für alle Beteiligten ist. So nahmen viele diese Eindrücke mit in den anschließenden Gottesdienst in der Hövelhofer Pfarrkirche. Eine Liste auf der über 25.000 Menschen verzeichnet sind, die durch die „Festung Europa“ (dokumentiert) zu Tode gekommen sind, lag während des Gottesdienstes einmal lang durch die Kirche über dem Altar, zum Gedenken an diese, unsere Brüder und Schwestern im einen Reich Gottes.

Weitere Informationen und Hintergründe finden Sie unter anderem:

Hilfsorganisation Seawatch: https://sea-watch.org
über das Buchprojekt „Neuland“ von Martin Kolek: http://www.neuland-mission-possible.de

Text + Fotos: Reinhard Sandbothe